Es ist nicht immer Liebe auf den ersten Blick. So kann es auch auf Reisen sein. Manche Länder mag man vom ersten Moment an, bei anderen braucht es mehr Annäherungszeit. So war es auch bei mir und Nicaragua.

Zugegeben, mit etwas Skepsis bin ich in den Flieger gestiegen, hat mich die eine oder andere Online Recherche zu Nicaragua doch recht eingeschüchtert: Expressentführungen in Taxis, 2x in einer Nacht ausgeraubt, und die verhältnissmässig wenig ausgebaute Tourismusinfrastruktur klangen für mich nach der Zeit im sicheren Kanada (wo die Leute gerne die Türe nicht abschliessen) erstmals gefährlich.

Wann genau der Wendepunkt kam und ich begriff, dass Nicaragua gut zu meistern ist wenn man üblichen gesunden Menschenverstand walten lässt, ist schwer zu sagen. Zumindest noch nicht bei der Ankunft in Managua. Die schönen Ecken (ja die soll es geben) verstecken sich gut. Die Horror-Geschichten im Netz sassen noch zu tief. Wahrscheinlich liess die Anspannung nach alsbald wir die Freundlichkeit und Entspanntheit vom kleinen Fischerort El Transito erleben durften. Und als meine Schwester und ihr Freund unser Duo auf 4 Nasen ergänzten, spätestens dann konnte ich ganz loslassen und mich auf dieses wunderschöne Land einlassen.

Ometepe Island_happy faces

Unsere 5 Highlights

El Transito

Praktisch der Geburtsort unserer Reise. Freundliche Bewohner haben uns gegrüsst und mit uns gelacht als wir auf unserem Streifzug durch die Pulperias (kleine Läden) alles mitnahmen, was irgendwie zu einem Gericht verarbeitet werden konnte. Die Surfbretter wurden geritten (auch wenn die Ausbeute niedrig war), Yoga wurde praktiziert, und Bücher wurden gewälzt. Vor allem aber haben wir viel gefaulenzt. Um ein wenig Spannung in unseren gemütlichen Alltag zu bringen, haben wir die Matratzen in allen drei TouristenherbergenThe free spirit hostel , Solid Surf und Bananoz guesthouse ausprobiert. Trotz viel Niederschlag und vorbeiziehendem Tropensturm haben wir in El Transito als friedliches Eckchen Erde erlebt, an dem es sich gut aushalten liess.

Ometepe Island

Diese Jungle-Insel mitten im Lake Nicaragua wird zurecht von lonelyplanet und co als top Sehenswürdigkeit gepriesen. Sie ist einzigartig. Das Leben dreht sich – im wahrsten Sinne des Wortes – ringsum die beiden Vulkane Concepcion und Maderas. Dank Quad und Motorrad konnten wir den südlichen Vulkan auf einer abenteuerlichen Strasse umkreisen, vorbeiziehen an Bananenplantagen, Feldern, saftig grünen Wiesen und abgeschiedenen Dörfern, den  majestätischen Vulkan stets rechts im Visier. Auf dem Motorradrücksitz fühlte ich mich wie die Queen auf einer Parade, gehörten Grüssen und den herzlichen Bewohnern Zuwinken zu meinen Hauptaufgaben als Damian’s Co-Pilotin.

Chickenbus fahren

Nicht nur besuchte Orte selbst gehörten zu unseren Highlights, genau so die Art und Weise, wie wir dahin gelangt sind. Chickenbus werden die alten in Amerika aussortierten Schulbusse genannt, die als Langstreckenbusse die wichtigen Städte in Nicaragua miteinander verbinden. Für gefühlte CHF 2.- kann das Land durchquert werden. Was die Fahrt so aufregend macht? Die Menschen, die mit Reissack und Hühnern im Gepäck zusteigen, die spanische Version von berühmten 90er Jahre Songs aus den Lautsprecherboxen, die „an Bord Verpflegung“  welche aus Marktverkäufern besteht die in urbanen Gegenden kurz zusteigen, durch den Gang quetschend Snacks wie frittierte Bananen verkaufen und wieder aussteigen. Es war ein schönes Gefühl Teil dieses gemeinsamen gemütlichen Fahrens zu sein, mit den Bewohnern in Kontakt zu kommen, sie zu beobachten wie hilfsbereit und freundlich sie untereinander agieren, und wie problemlos bereits die Kleinsten in das charmante Chaos integriert werden.

Spanisch (oder so)

Vorab: Unsere Spanischkenntnisse sind bescheiden, und das ist noch milde ausgedrückt. Wieso es trotzdem eines unserer Top Erlebnisse war? Weil Nichtkönnen kreativ macht. Ein Paradebeispiel in Managua beim Busterminal: Ein fürsorglicher Taxifahrer hat uns bei einer Strassenverkäuferin am turbulenten Marktplatz abgeladen. Er hat  sie gebeten uns auf den richtigen Bus nach El Transito zu schicken. Wir haben uns zu ihr auf den Boden gesetzt. Die Frau, Mitte 30 machte einen sympathischen und neugierigen Eindruck. Ich fand es sehr schade, konnten wir mit unseren paar Standardsätzen nicht genügend über sie in Erfahrung bringen. Um uns irgendwie zu unterhalten habe ich aus einer spontanen Laune heraus den Refrain von Sommer-Ohrwurm Song Despacito von Luis Fonsi gesungen. Sie – sehr amüsiert – hat eingestimmt und mitgewippt. Wir haben gelacht, den Moment gemeinsam gelebt. Obwohl wir insgesamt nicht viel mehr über sie oder ihr Leben erfuhren, gab diese kleine, spontane Gesangseinlage doch schon etwas über ihr Wesen preis.

Unterwegs sein im Reise-Quartett

Der Besuch aus der Heimat war eines unserer grössten Highlights. Schön war das Widersehen und noch schöner war es gemeinsam zu reisen. Wir haben gelacht, gescherzt und Blödsinn gemacht, an Reisegeschwindigkeit und -komfort zugelegt. Unsere Reisegruppe war heiter, abenteuerlustig und energiegeladen. Der Flor de Cana ist geflossen, Spanisch wurde mit mehr italienischem Einfluss gesprochen und hunderte von Kilometern und ein Grenzgang (Costa Rica) wurden zurückgelegt. Nicht zu vergessen: die hoch gefeierten happy hours. Wir wollen aber auch nicht lügen, es war nicht immer alles rosig, die Rechnung geht eben auch so: 4 Leute = 4 verschiedene Ideen und Bedürfnisse. Das führt(e) manchmal zu Streitigkeiten. Und man nervt(e) sich manchmal an den Marotten der anderen. Trotzdem was als Fazit bleibt: Mit euch hat es gerockt! Wir sagen danke für die schöne Reise!

Es muss nicht immer Liebe auf den ersten Blick sein. Vielleicht bleibt mir Nicaragua gerade deshalb länger im Gedächtnis und Herzen weil es mehr Effort erforderte, mich ganz auf das Land einzulassen und die Vorurteile abzulegen. In unserem Video-Beitrag kannst du gemeinsam mit uns die Schönheit Nicaraguas erleben.

Unsere Route: Managua, El Transito, Leon, Las Penitas, Madagalpa, Jinotega, Granada, Ometepe Island, San Juan del Sur

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